No Bear-Selfies – Bear-Watching in Bella Coola

Einem Grizzly-Bären fast die Hand schütteln? Kein Problem bei einem Besuch im Bella Coola Valley. Wir sind den Bären, auf ihrer Suche nach Lachsen, sehr nahe gekommen.

Doch bevor wir uns auf die Bärensuche begeben konnten, mussten wir den Weg in das Bella Coola Valley meistern. So ging es von Williams Lake über die einzig vorhandene Straße in Richtung Hagensborg. Vorbei an Farmland, Farmland und nochmals Farmland sowie den obligatorischen Kühen neber und auf der Straße tuckerten wir also über die, zunächst noch betonierte, Straße. Die letzten 20 Kilometer boten dann endlich etwas Abwechslung und einen kleinen Nervenkitzel. Hier hatte wohl niemand mehr Lust ein bisschen Teer zu verteilen und so ging es auf einer uns altbekannten Art, der Schotterstraße, weiter. Als ob Regen und Matsch nicht genug wären… ach nööö auf Schnee fährt es sich doch viel toller! Rutschparty juché mit unsrer Heckschleuder.

Spiel, Spaß, Spannung! Der Weg ins Bella Coola Valley

Nachdem es am Ende noch schön steil den Berg hinunter ging und wir von den tausenden Schlaglöchern gut geschüttelt waren, hatten wir aber endlich wieder „festen“ (geteerten) Boden unter den Füßen. Unser Ziel lag in Hagensborg in Form des RipRap-Campgrounds. Ein feiner kleiner Campingplatz, der uns durch die gute Lage zum Ausgangspunkt unserer Bear-Watching-Tour und Empfehlungen in der App Outlander überzeugt hatte.

Wie sich herausstellte war es ein Glücksgriff! Warum, dass erfahrt ihr nach den folgenden Bildern, die ich auf der Wildlife-Observation Plattform, einige Kilometer vor Hagensborg, gemacht habe. Ein Bär ist dort zu unserer Zeit leider nicht aufgetaucht aber…

Es wimmelte von Adlern… was ein Glück!

…die ersten Anzeichen der unmittelbaren Präsenz waren kaum zu übersehen.

Sauber verspeist das leckere Fischlein!

Nach den ersten erfolglosen Stunden auf der oben beschriebenen Plattform haben wir am nächsten Tag unser Glück auf der Campingplatz eigenen Wildlife-Viewing-Plattform versucht. Hier haben wir auch das wohl coolste Ehepaar in ganz Kanada kennengelernt. Der aus Schottland stammende Mann ist auch Hobbyfotograf und so gab es viel zu erzählen und einige Bilder von ihm zu bestaunen. Daneben tauschte man sich mit der aus Irland stammenden Frau über typisch deutsche, irische und kanadische Dinge und Verhaltensweisen aus… wie das immer so ist, wenn unterschiedliche Nationen aufeinander treffen. Doch nicht nur haben wir uns blendend mit beiden verstanden und unterhalten, sondern haben sie uns auch super Tipps für Spots zum Auffinden von Bären gegeben.

So verbrachten wir gemeinsam viele Stunden am Straßenrand. Mal hier an dem Flussteil, dann wieder an einem anderen Flussteil und so weiter. Man tauschte sich darüber aus, ob man nicht an einen anderen Spot fahren sollte, dann einmal über den schottischen Fußball und ob das mit den aggressiven Fans noch ein Problem ist (Filme lasse grüßen) und dann wieder einmal über Fotozeug und wieviel Glück (oja es ist sehr sehr viel Glück) man braucht, um genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Denn Wildtiersuche bzw. -fotografie bedeutet vorallem eins… warten! Sehr lange warten und geduldig sein… sehr geduldig. So ist dies jedoch viel spaßiger und einfacher, wenn man nette Menschen hat mit denen man sich unterhalten und lachen kann.

Als man sich so über so ziemlich alle Themen der Welt unterhalten hatte, dachten Flo und Ich uns, dass wir doch noch einmal die Brücke weiter vorne auschecken sollten. Dort hatten wir zuvor in sehr weiter Entfernung einen Grizzly im Wasser Lachse fangen gesehen. Gesagt getan und 5 Minuten später standen wir also auf der Autobrücke, die den Bella Coola River überbrückt. Dort trafen wir auf 2 nette Holländer mit den Ultra-Objektiven. Daneben kam ich mir mit meinem (im Vergleich) mini-Tele schon ein bisschen veräppelt vor. Aber egal, Brennweite ist nicht alles, man muss auch damit umgehen können. Also starrten wir alle 4 schön in eine Richtung auf das gegenüberliegende Flussufer und so merkten wir erst relativ spät, dass sich dieser Kollege von hinten an uns ran geschlichen hatte.

Frank the Tank

(Dieser fette Grizzly, wir nennen ihn einfach mal Frank the Tank, hatte uns zuvor schon einmal den Weg versperrt, als wir zwischendurch noch einmal zu der anderen Stelle zurückkehren wollten. Hierbei ist er dann in das Gebüsch nach links ab und wir dachten, er habe sich von der Stelle entfernt, da hier doch viele Autos unterwegs waren.)

Die Verwunderung war groß und es kommen einem sehr gemischte Gefühle, wenn sich so ein Koloss langsam auf einen zubewegt. Auf einmal sind sie garnicht mehr so süß und kuscheln möchte man schon garnicht mit ihnen. Aber zum Glück interessieren sich die Bären während der Lachssaison relativ wenig für uns Menschen und so hat er seinen Weg fortgeführt. Wenige Meter von uns entfernt bog er rechts ab und wanderte mit lauten Geräuschen durch den Wald, die Klippen nach oben. Wenige Minuten später kam er weiter unten am Flussufer heraus und durchquerte diesen.

Ein paar mal geschüttelt… vllt. doch etwas kühl das Wasser
Da schlendert er

Wir verbrachten an dieser Stelle folglich eine Menge Zeit und das hat sich mehr als gelohnt. Irgendwann waren die Bären zu zweit, dann zu dritt und aus irgendeinem Grund hat sich die Anzahl der Menschen am Straßenrand exponentiell gesteigert!

Wo sind die Lachse?

Mit gefühlten 1.000.000 Bildern auf der Kamera ging es dann viele Stunden später zurück auf unseren Campingplatz. Am nächsten Tag stand schon das nächste Highlight an! Eine geführte Bear-Watching-Tour auf einem kleinen Paddelboot. Also Kamera am Wandler im Auto aufladen und die SD-Karte leer machen hieß die Devise.

Da unsere Bärentour erst am Nachmittag statt gefunden hat, haben wir den Vormittag noch damit verbracht auf der Plattform nach weiteren Wildtieren Ausschau zu halten. Wir haben ja schon zuvor Seehunde gesehen also sollte es eigentlich nichts neues sein. Es gibt aber scheinbar auch in der Tierwelt immer Charaktere die, getrieben auf der Suche nach etwas mehr, alle Mühen und Anstrengungen auf sich nehmen. So war dieser Kerl (oder Frau) etwas besonderes und ihm hat das große weite Meer als Lebensraum nicht ausgereicht, weshalb er sich kurzer Hand dachte, er schwimmt mal den Fluss nach oben. Vllt. war er auch ein begeisterter Bergfreund und wollte die Aussicht von dort oben genießen?

Hoffen wir nur er wurde nicht von einem Bären erwischt

Aber nun endlich zu dem Punkt, weshalb wir eigentlich in das Tal gekommen sind! Als wären die bisherigen Erlebnisse an diesem Ort nicht schon genug gewesen. Der guten Lage unseres Campingsplatzes sei dank, konnten wir zu Fuß zum nebenan gelegenen Startpunkt der Tour gelangen. Wir hatten im Voraus eine Bootstour mit Kynoch Adventure Tours gebucht. Wie sich heraus gestellt hat erneut eine super Entscheidung. Dort angekommen wurden wir schon von unserem super netten Guide Fraser begrüßt und so ging es, in einer kleinen Gruppe von 7 Leuten, zu dem Punkt, wo wir vom Auto ins Boot übergestiegen sind.

Nach einem ersten Bären direkt hinter der Plattform, den wir leider nur kurz und weit entfernt von der Seite gesehen haben, paddelte uns unser Guide den Fluss hinunter. Dabei waren wir immer am Lauschen und Ausschau halten, ob Tiere in der Nähe sind. Während der Fahrt haute er uns diverses Wissen an den Kopf. Über Adler und die ewig vielen verschiedenen Lachssorten sowie weitere Vögel, die wir auf unserer Fahrt gesehen haben. Wir durften ihn leider nicht darauf hinweisen, wenn ein Lachs gesprungen ist… das sieht er so oft meinte Fraser 😀 Schade das war jedesmal ein Highlight und wir haben ihn trotzdem davon erzählt (Touris halt). Auf die Frage, warum die Lachse eigentlich hüpfen, springen oder Saltos machen, konnte er uns leider auch keine Auskunft geben. So trieben wir dahin, ab und zu sahen wir einen Grizzlyhintern und viele Adler….

Doch dann fast am Ende unserer Tour der Volltreffer. Nachdem wir fast 20min an einer Stelle gewartet und es diverse Male im Busch geknackt hatte, erschien eine Mutter mit ihren beiden Jungen. Die Jungen waren schon ziemlich groß und fett. Sie waren sehr aufgeregt und haben uns die ganze Zeit beobachtet. Als wir etwas näher kamen haben sie auch direkt die Flucht ergriffen. Nach einer Weile haben sie sich jedoch wieder genähert und die Mutter hat schnell einen alten, angegammelten Lachs vom Strand gefischt und ist erneut davon gedüst. Fraser erzählte uns, dass er diese Bärenfamilie bisher hier noch nicht gesehen hat und das die Grizzlys normalerweise an die Boote gewöhnt sind, diese also garnicht groß beachten. Diese Familie war jedoch sehr nervös und aufgeregt wodurch auch eine vorausgehende Begegnung mit einem der anderen Grizzlyhintern laut unserem Guide sehr wahrscheinlich war. Um ihnen nicht noch mehr Stress zu zumuten, fuhren wir weiter und erreichten schließlich den Endpunkt unserer Tour.

Schau mir in die Augen Baby
Erste Sichtung der Family
Wad… wer seid ihr denn?
Grizzlys sind einfach riesig!

Als wir wieder auf unserem Campingplatz angekommen waren, wurden wir von all den aufgeregten Leuten dort begrüßt. Scheinbar war vor kurzem ein großer Grizzly zu Besuch gewesen. Kaum hatten sie uns davon erzählt schaute auch schon ein riesen Gesicht hinter dem Busch hervor. Wie in einem Zeichentrickfilm schaute nur der Kopf um die Ecke. Der Bär war wohl genauso verwirrt wie wir und so lief er ganz gemütlich über einen Feldweg wieder davon. Alles klaro! Also weiter geht es in Richtung unseres Platzes. Dort trafen wir direkt vor der Einfahrt, wo sich auch unser Platz befand, auf ein kleines Geschenk des zuvor gesehenen, dicken Bären.

He man da is doch ne Pit-Toilet grad ums Eck. Die rote Färbung kommt von den Beeren, die die Bären neben Lachs noch verzehren.

Man kann nur sagen Braunbären sind riesige Lebewesen und wenn so einer auf einen zukommt wird einem etwas flau im Magen. Den letzten Tag vor unserer Rückfahrt Richtung Vancouver haben wir damit verbracht noch einmal mit unseren neuen Freunden Bären zu suchen. Leider waren wir hier nicht mehr erfolgreich. Jedoch hat sich der Trip sowas von gelohnt und es ist ein wahres Privileg solch grandiosen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung erleben und beobachten zu dürfen.

Hier ist der Link zu den weiteren Bildern:

https://www.dropbox.com/sh/r2p81ltqmz79l9i/AADD27riMp9MXoNlnMxLnNcUa?dl=0

Hier erneut die Route zu diesem Zeitpunkt:

https://www.google.com/maps/d/edit?mid=1IXC03OGIohagCG8Gj8UVH3TD8cQUYaur&ll=56.48918640338785%2C-139.30107338726515&z=5

Wir hoffen euch hat dieser Beitrag gefallen und ihr genießt die Bilder! Seid gespannt auf den nächsten Eintrag. Dort haben wir Besuch von zu Hause bekommen und einen ganz besonders schönen Ort erkundet.

Bis bald,

Martin & Flo

4 Antworten auf „No Bear-Selfies – Bear-Watching in Bella Coola“

  1. Sensationelle Bilder, wobei mir die BVB-Raupe und Wölfchen im Holzfällerhimp 😉 am Besten gefallen haben.
    Viele Grüße aus der Pfalz, lasst euch keine Bären aufbinden und passt auf euch auf. @Wölfchen: Könschd jo ach mol ä Fotto vum Maddin mache, Riewelichd!!!!

  2. Toller bericht, mal aus ner anderen Perspektive. ..
    Tröste dich , ich hab noch n kleineres tele wie du gehabt…

    Hast fu zufällig ne internetseite von den bärenscouts vom tip rap?

    Wünsche euch noch weiterhin ne gute zeit in bc (oder wo immer ihr auch grad seid)

    Lg dagmar

    1. Danke Dagmar!

      Bärenscouts? Meinst du von den Leuten, die dort Fotos gemacht haben? Die ältere Dame? Als ich mit Ihnen gesprochen habe meinten die meisten sie machen das für sich privat (das Ehepaar zmd.). Aber habe leider keine Internetseite von den anderen.

      Dankeschön! Sind zur Zeit in Kelowna 😉

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